Infrared photography

Was ist Infrarotfotografie?

Annika Jansen

Infrarotfotografie für Einsteiger:innen: So hältst du die unsichtbare Welt fest

Infrarotfotografie eröffnet einen völlig neuen Blick auf die Welt um uns herum. Durch das Fotografieren mit Infrarotlicht – einer Lichtart, die für das menschliche Auge unsichtbar ist – entstehen Bilder, die überraschend und befremdlich wirken können. Denk an strahlend weiße Blätter, dramatische Himmel und eine verträumte Atmosphäre, die du mit gewöhnlichen Farbfotos schlicht nicht erreichen kannst. Diese Art zu fotografieren spielt mit der Realität und enthüllt eine Seite der Natur, die normalerweise verborgen bleibt.

Gerade diese geheimnisvolle Ausstrahlung macht Infrarotfotografie unter kreativen Fotograf:innen unglaublich beliebt. Sie zwingt dich, deinen Blick auf dein Motiv – und auf Licht – völlig neu auszurichten. Ob du durch einen Wald spazierst, eine verlassene Landschaft festhältst oder ein Stadtbild in Szene setzt: Mit Infrarot verwandelt sich deine Umgebung in eine Szenerie, die direkt aus einer anderen Welt zu stammen scheint.

Der Reiz von Infrarotaufnahmen liegt nicht nur in ihrer besonderen Optik, sondern auch in der Freiheit und dem Experimentieren, das damit einhergeht. Es gibt keine festen Regeln oder Erwartungen. Jedes Bild lädt zur Vorstellungskraft ein und lässt Raum für persönliche Interpretation. Das macht diese Art der Fotografie besonders geeignet für alle, die gerne abseits ausgetretener Pfade denken und fühlen.

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Der Unterschied zwischen Nah-Infrarot und Thermisch-Infrarot

Wichtig zu wissen ist der Unterschied zwischen Nah-Infrarot und Thermisch-Infrarot, da diese Begriffe manchmal verwechselt werden. Nah-Infrarot, das in diese kreative Fotografie fällt, dreht sich um Lichtreflexion und wird genutzt, um auffällige Bilder zu erzeugen. Thermisch-Infrarot misst hingegen Wärme und wird für Anwendungen wie Nachtsicht oder Wärmemessungen eingesetzt. Denk an Wärmebildkameras. Für Fotograf:innen, die mit künstlerischen Effekten experimentieren möchten, liegt der Fokus also auf Nah-Infrarot.

Infrarotfotografie lässt dich vertraute Orte auf eine ganz andere Art erleben. Vielleicht erfordert es etwas Vorbereitung und Anpassung deiner Kamera, aber die Ergebnisse können verblüffend sein.

Wie funktioniert Infrarotfotografie?

Ein Infrarotfilter, zum Beispiel mit 720nm oder 850nm, lässt nur Infrarotlicht durch und blockiert sichtbares Licht. Je höher die Zahl, desto mehr sichtbares Licht wird herausgefiltert. Bei einem 720nm-Filter behältst du noch etwas Farbinformation, was einzigartig für kreative, verträumte Stimmungen ist. Ein 850nm-Filter geht noch weiter und sorgt für ein Bild mit starken Kontrasten, das nahezu vollständig in Schwarz-Weiß erscheint. Die Wahl hängt vom gewünschten Effekt ab.

Möchtest du einen Schritt weiter gehen? Dann kannst du eine Kamera auf Full-Spectrum umbauen lassen. Dabei wird der interne infrarotblockierende Filter entfernt, sodass der Sensor Licht in einem viel breiteren Bereich – von Ultraviolett bis Infrarot – aufnehmen kann. Das gibt dir die Freiheit, verschiedene Filter für unterschiedliche Effekte zu verwenden. Im Gegensatz zu Standardkameras erfasst eine Full-Spectrum-Kamera viel mehr Details im nicht-sichtbaren Spektrum.

Ob du mit einem Infrarotfilter an deiner Standardkamera arbeitest oder den Schritt zu einem Full-Spectrum-Modell wagst – Infrarotfotografie verlangt eine andere Sichtweise. Es ist ein kreativer Spielplatz, auf dem du Landschaften, Porträts oder Architektur auf überraschende Weise festhältst. Denke an weiße Blätter, dunkle Himmel und surrealistische Kontraste – eine erfrischende Perspektive, die direkt inspiriert.

Schau dir die folgenden Modelle an:

Benötigte Ausrüstung für ein gelungenes Infrarotfoto

Um selbst mit Infrarotfotografie loszulegen, brauchst du spezifische Ausrüstung, die das Unsichtbare sichtbar macht. Die meisten herkömmlichen Kameras sind standardmäßig mit einem eingebauten Filter ausgestattet, der Infrarotlicht blockiert. Möchtest du dieses Licht gezielt einfangen? Dann gibt es zwei Wege:

  • Du verwendest eine Kamera, die speziell für Infrarotfotografie umgebaut wurde,
  • Du entscheidest dich für eine Kamera, auf die du einen Infrarotfilter aufsetzen kannst.

Im letzteren Fall sind Filter wie der Hoya R72 oder Urth R72 beliebte Optionen. Sie sorgen dafür, dass nur Infrarotlicht auf deinen Sensor trifft, was zu dem charakteristischen verträumten Bild mit weißen Blättern und dunklen Himmeln führt.

Arbeitest du mit einer nicht-konvertierten Kamera und einem externen Infrarotfilter, wirst du feststellen, dass die Verschlusszeiten länger werden. Daher ist ein stabiles Stativ unverzichtbar. Damit vermeidest du Bewegungsunschärfe und kannst präziser komponieren. Eine drahtlose oder kabelgebundene Fernauslösung hilft dir, Erschütterungen beim Auslösen vollständig zu vermeiden. Besonders bei längeren Belichtungen ist jede kleine Bewegung sichtbar – je stabiler dein Aufbau, desto besser das Ergebnis.

Die richtigen Einstellungen sind ebenfalls wichtig. Beginne mit einem niedrigen ISO-Wert, zum Beispiel ISO 100, um Rauschen zu minimieren. Da bei Infrarot weniger Licht verfügbar ist, wirst du häufig lange Verschlusszeiten benötigen – von einer halben Sekunde bis hin zu mehreren Sekunden.

Der Weißabgleich erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit: Stelle ihn manuell ein, zum Beispiel indem du ihn an frischem, saftigem Grün misst. So erzielst du eine natürliche Farbwiedergabe und vermeidest ein zu rötliches oder violettes Endergebnis.

Nachbearbeitung von Infrarotfotos

Sobald du ein Infrarotfoto aufgenommen hast, beginnt der kreative Prozess eigentlich erst richtig. Denn um die einzigartige Ausstrahlung zu erreichen, die so charakteristisch für Infrarotfotografie ist, ist die Nachbearbeitung unverzichtbar. Dabei geht es nicht nur um das Korrigieren von Farbe und Belichtung, sondern vor allem um das Gestalten von Stimmung und Interpretation.

Eine häufig genutzte Technik in der Nachbearbeitung von Infrarotfotos ist die sogenannte Farbumkehrung, auch bekannt als „Channel Swap". In Adobe Photoshop kannst du das über das Fenster „Kanal-Mixer" tun. Indem du zum Beispiel den roten und den blauen Kanal tauschst, bekommen Bäume eine nahezu märchenhaft weiße Farbe, während der Himmel einen tiefblauen Ton annimmt. So verleihst du deinem Infrarotfoto diesen typisch surrealen Charakter, für den dieser Stil bekannt ist. Das klingt komplex, aber nach ein paar Übungsdurchläufen wird es zu einem festen Bestandteil deines Workflows.

Nach dem Channel Swap ist es wichtig, Kontrast und Weißabgleich sorgfältig abzustimmen. Infrarotaufnahmen können schnell flau wirken oder aber zu extrem sein. Mit subtilen Anpassungen bringst du Tiefe ins Bild und sorgst dafür, dass die Farben in Balance bleiben. Versuche zum Beispiel, die Helligkeit der hellen Bereiche leicht anzuheben, während du die Schatten etwas intensiver gestaltest. So erzeugst du mehr Struktur, ohne das Bild unnatürlich wirken zu lassen.

Arbeitest du lieber nicht mit Photoshop? Kein Problem. Es gibt gute Alternativen. GIMP, ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm, unterstützt ebenfalls Kanal-Mixer und Ebenen und erfordert nur etwas Geduld, um es zu meistern. Lightroom bietet Presets speziell für Infrarotfotografie, mit denen du schnell einen bestimmten Stil anwendest und ihn anschließend noch nach Geschmack feinjustieren kannst. Egal, welchen Weg du wählst – nimm dir die Zeit zum Experimentieren: Infrarot verlangt keine Schnelligkeit, sondern Liebe zum Detail.

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Anwendungen und Inspiration

Das Fotografieren mit einem Infrarotfilter öffnet eine Welt voller überraschender Möglichkeiten. Was auf den ersten Blick vertraut erscheint, bekommt durch Infrarot eine völlig neue Ausstrahlung.

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Landschaften

Nimm zum Beispiel Landschaften: Grüne Bäume werden strahlend weiß, Himmel bekommen einen tiefen, dramatischen Ton und das Tageslicht wirkt ungewöhnlich friedvoll. Das bietet sich perfekt für Fotograf:innen an, die gerne neue Perspektiven erkunden und ihre kreativen Grenzen verschieben möchten. Sowohl in der Veluwe als auch in der Voerstreek kannst du diese traumhafte Stimmung mitten in der Natur einfangen.

Städte

Auch in der Stadt bietet Infrarot einen faszinierenden Spielraum. Architektur bekommt einen nahezu grafischen Charakter. Gebäude heben sich in scharfem Kontrast vor einem dunklen Himmel ab und bekannte Stadtansichten werden zu visuellen Kunstwerken. Probiere es zum Beispiel mit moderner Architektur in Rotterdam oder den historischen Fassaden in Gent – dank Infrarot kommt jedes Detail noch mehr zur Geltung.

Infraroodfotografie steden
Infraroodfotografie portret

Porträts

Porträts in Infrarot sind eine Geschichte für sich. Haut wird samtweich, Augen reflektieren das Licht auf eine andere Weise und das Gesamtbild bekommt eine nahezu zeitlose Ausstrahlung. Das macht diese Technik besonders geeignet für Fotograf:innen, die nach einer anderen Art suchen, Emotionen festzuhalten. Vor allem bei Schwarz-Weiß-Bearbeitungen liefert Infrarot Porträts, die im Gedächtnis bleiben.

Schließlich bietet Infrarot Raum für freies Experimentieren. Denke ans Fotografieren von Bäumen, Blumen und Wasseroberflächen – alles Elemente, die durch Infrarot einen fast außerirdischen Charakter bekommen. Du musst keine pralle Sonne meiden wie bei der gewöhnlichen Fotografie; gerade an bewölkten Tagen liefert Infrarot überraschende Ergebnisse. Lass deiner Kreativität freien Lauf und entdecke, wie Infrarotfotografie deinen Blick auf die Welt für immer verändern kann.

Häufige Fehler & Lösungen

Ein häufig übersehener technischer Fehler: Manche Objektive oder Filter blockieren Infrarotlicht. Das führt dazu, dass bestimmte Bereiche deines Bildes – besonders bei längeren Aufnahmen – unnatürlich dunkel werden oder einen Farbstich bekommen. Überprüfe daher, ob deine verwendete Ausrüstung für Nachtfotografie geeignet ist. Ein einfacher Test bei Tageslicht mit einer Infrarot-Fernbedienung kann bereits Aufschluss geben.