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Kamera Express
Das Erste, woran du bei Makrofotografie wahrscheinlich denkst, sind Nahaufnahmen von mehr oder weniger exotischen Blumen in leuchtenden Farben. Oder Fliegen, ganz nah fotografiert, sodass man die Linsen ihrer Augen zählen kann. Wer aber auf Instagram sucht, stößt auf zahlreiche Fotos von Legofiguren, Playmobil-Männchen und Miniaturmenschen (Maßstab 1:87), die in die echte Menschenwelt eingebettet sind. Willkommen in der Welt der #minifigures.


Beim Fotografieren von Minifiguren gibt es grob gesagt zwei Strömungen. Bei der ersten steht ein Minimensch in einer Miniwelt, etwa ein Legomännchen in einem Wohnzimmer aus Lego. Der Trend geht jedoch dahin, eine solche Figur in die Welt der Großen zu versetzen. Denk an Straßenarbeiter:innen, die eine echte Walnuss aufhacken, oder an eine Person, die einen Schwan aus dem Öl – einer Tasse Kaffee – rettet. Oder eine Gruppe von Bauarbeiter:innen, die mit aller Kraft versucht, einen Apple-Ohrstöpsel aus dem echten Ohr von jemandem zu ziehen. Die Möglichkeiten sind endlos.
Der Miniaturfiguren, versteht sich. Das Foto soll schließlich den Eindruck erwecken, dass die Figur genauso groß ist wie der Betrachter oder die Betrachterin. Du wirst merken, dass das mit einer Spiegelreflexkamera durchaus anspruchsvoll ist, besonders wenn du die 1:87-Figuren (Faller oder Preiser, vor allem bekannt von Modellbahnen) verwendest. Die Größe von Kamera und Objektiv verhindert oft, dass man auf Augenhöhe kommt. Mit einem Smartphone klappt das viel besser: Dessen Objektiv sitzt an der Ecke des Geräts und kann daher sehr nah am „Boden" fotografieren – zum Beispiel, indem man das Smartphone auf den Kopf dreht.


Eine Figur hübsch hinzustellen ist eine Sache, aber es ist viel witziger, daraus eine kleine Geschichte zu machen. Das gelingt schon mit einer einzigen Minifigur, wie auf einem Foto, auf dem ein Miniaturmännchenversucht, eine Walnuss aufzuknacken. In solchen Bildern sieht man oft, dass die Figur eine riesige und unmögliche Aufgabe zu bewältigen hat. Es funktioniert auch mit mehreren Figuren, die gemeinsam etwas tun – zum Beispiel ein Datenkabel in einen Computer stecken.
Es gibt alle möglichen Arten von Minifiguren: Lego, Playmobil, Faller und Preiser. Letztere stellen neben Standard-Figuren ohne auffällige Merkmale („normale Menschen") auch Berufsgruppen her. Lego besitzt die Rechte an sehr vielen Spielfilmen, von Star Wars bis Harry Potter. Im Umlauf ist ein Foto von Darth Vader aus Star Wars, der auf einem Fahrrad mit Yoda vorn drauf an der Death Star vorbeischwebt – eine witzige Parodie auf die berühmte Szene aus ET. Ein anderes Foto zeigt einen Stormtrooper, der seinen Helm abgenommen hat und mit seiner Freundin an einem echten Strand den Sonnenuntergang genießt. Die einzige Grenze, die es hier gibt, ist deine eigene Vorstellungskraft.
Fotos, die mit Smartphone-Kameras aufgenommen werden, haben eine große Schärfentiefe. Allerdings haben die Kameras auch eine minimale Fokussierdistanz. Alles, was zu nah dran ist, erscheint unscharf auf dem Foto. Indem du das (geschickt) nutzt, erzeugst du Tiefe in den Bildern. Platziere dazu die Figur, die unscharf im Bild sein soll, nah an das Objektiv. Das macht das gesamte Foto interessanter anzuschauen.
Kuscheltiere sind hervorragende unterstützende Models: Sie bleiben dort stehen, wo du sie platzierst, und laufen nie mit dem davon, was du ihnen als Minifiguren-Requisite hinhältst. Katzen, vor allem ältere, sind oft ebenfalls geeignet. Sie sehen eine Minifigur weder als Bedrohung noch als Futter – die Figur riecht nach nichts und bewegt sich nicht –, daher ist die Chance groß, dass die Katze einfach liegen bleibt, während du fotografierst. Aber man weiß es natürlich nie genau, es sind und bleiben schließlich Katzen…
Für Inspiration kannst du die Arbeiten der folgenden Instagrammer:innen aufsuchen:
@yislegocollection
@miniverse.de
@frankweisenberger
Ein häufig verwendeter Hashtag ist #minifigures
