Brauchst du Hilfe?
Kamera Express
Das Aufnehmen eines Fotos ist oft nur die halbe Miete. Erst durch eine gelungene Nachbearbeitung wird es wirklich komplett. Obwohl „photoshoppen" längst zum geflügelten Wort geworden ist, gibt es neben Photoshop noch ein weiteres sehr interessantes Programm von Adobe für dich als Fotograf:in: Lightroom. Doch was sind genau die Unterschiede, und welches Programm solltest du kaufen? Das erklären wir dir in diesem Artikel.
Obwohl beide Programme vom selben Hersteller (Adobe) stammen, gibt es doch erhebliche Unterschiede. Dazu gehören das Layout, die Art und Weise, wie du ein Foto bearbeiten kannst, und die Verwaltung deiner Fotos. Bevor wir darauf näher eingehen, zunächst ein kurzer Blick in die Geschichte.
Adobe brachte Photoshop 1990 auf den Markt und richtete sich damit nicht nur an Fotograf:innen, sondern auch an Illustrator:innen, Grafikdesigner:innen und Webdesigner:innen. Um all diesen Nutzer:innen gerecht zu werden, hat Adobe das Programm mit einer Fülle von Funktionen ausgestattet. Im Jahr 2007 folgte Lightroom, das sich ausschließlich an Fotograf:innen richtet.
Da Photoshop deutlich mehr Funktionen enthält, ist die Lernkurve steiler als bei Lightroom. Die Zielgruppe von Photoshop ist daher auch viel breiter gefächert. Man kann sich vorstellen, dass Grafikdesigner:innen ganz andere Werkzeuge nutzen als du als Fotograf:in. Ein Großteil der Werkzeuge wird der durchschnittliche Nutzer bzw. die durchschnittliche Nutzerin kaum anfassen. Wenn du gerade erst mit der Fotobearbeitung anfängst, ist es keineswegs ungewöhnlich, in Photoshop den Überblick zu verlieren. Für viele Fotograf:innen, die einfach nur Fotos bearbeiten möchten, ist Lightroom daher eine echte Erleichterung. Der Anteil der wirklich nutzbaren Werkzeuge ist verhältnismäßig viel größer.
Wichtiger Hinweis: Adobe bietet Photoshop auch als Elements-Version an. Diese kann als abgespeckte Variante des Programms verstanden werden, bei der komplizierte und erweiterte Funktionen weggelassen wurden. Wenn wir in diesem Artikel von Photoshop sprechen, meinen wir die Vollversion: Photoshop CC.
Das Erste, was dir auffällt, wenn du beide Programme öffnest, ist das Layout. Während Photoshop ein dunkelgraues Erscheinungsbild hat, ist Lightroom mit einer schwarzen Oberfläche gestaltet. In Photoshop findest du oben die Menüleiste mit den Bearbeitungswerkzeugen. Außerdem kannst du dort mehrere Bilder gleichzeitig in verschiedenen Fenstern geöffnet haben. Lightroom hingegen ist in Module aufgeteilt, zum Beispiel „Bibliothek", „Entwickeln" und „Drucken". In jedem Modul findest du die jeweils zugehörigen Funktionen. Das Layout von Lightroom wirkt übersichtlicher, da viele Funktionen, die du in Photoshop findest, dort nicht vorhanden sind.

Lightroom lässt sich als eine Bibliothek verstehen, in der deine Fotos gespeichert sind. Wenn du an einem Foto arbeitest, wird jede Bearbeitung automatisch gespeichert und gemerkt. Auch wenn du das Programm schließt und später zurückkommst, sind diese Bearbeitungen noch sichtbar und können bei Bedarf rückgängig gemacht werden. Bist du mit deiner Bearbeitung zufrieden? Dann kannst du das Foto als JPG-Datei unter einem neuen Namen exportieren. Das Schöne daran ist, dass das Original dabei immer erhalten bleibt.
Wenn du mit Photoshop bearbeitest, musst du deine Fotos anderweitig archivieren, zum Beispiel in Adobe Bridge oder einfach in einem Ordner auf deinem Computer. Von dort importierst du dein Foto und bearbeitest es. In Photoshop kannst du während der Bearbeitung nur eine begrenzte Anzahl von Schritten rückgängig machen. Hast du das Foto einmal als JPG gespeichert und das Programm geschlossen, sind alle Bearbeitungsschritte verloren. Möchtest du später noch einmal auf deine Bearbeitung zurückkommen, empfiehlt es sich, mit Ebenen zu arbeiten und das Foto als Photoshop-Datei (PSD) zu speichern.
Nun zu vielleicht dem Wichtigsten: den tatsächlichen Bearbeitungsoptionen. Da Lightroom ausschließlich auf Fotograf:innen ausgerichtet ist, hast du die Werkzeuge zum Anpassen von Kontrast, Helligkeit, Farbton und Sättigung sofort griffbereit. In Photoshop muss man diese Funktionen etwas mehr suchen, dafür hat man aber mehr Bearbeitungsfreiheit.
Im Allgemeinen werden Anpassungen, die du in Lightroom vornimmst, auf das gesamte Foto angewendet. Eine Möglichkeit, lokale Bereiche des Fotos anzupassen – um zum Beispiel Bereiche aufzuhellen, abzudunkeln oder die Farbe zu verändern – ist die Arbeit mit Bereichsmasken. In Photoshop hingegen kannst du so viele Ebenen und Masken verwenden wie du möchtest. Daher hat Photoshop in diesem Bereich die Nase vorn.

Wenn Menschen von „photoshoppen" sprechen, denken sie eher an auffällige Eingriffe wie das Klonen von Bildteilen, das Weichzeichnen von Haut oder das Wegretouchieren einiger Kilos. Obwohl dies auch mit Lightroom möglich ist, benötigst du für aufwendigere Klon- und Retuschearbeiten wirklich Photoshop. Es heißt ja auch nicht umsonst „photoshoppen"! Da du in Photoshop mit Ebenen arbeiten kannst, ist es dafür deutlich besser geeignet.
Lightroom ist mehr als ein Bearbeitungsprogramm. Wie bereits erwähnt, verfügt das Programm über eine Bibliothek mit all deinen Fotos. Diese kannst du zum Beispiel anhand von Keywords, EXIF-Informationen oder GPS-Daten organisieren. Kommen Freund:innen vorbei? Dann erstellst du schnell und einfach eine Diashow – zum Beispiel mit deinen schönsten Urlaubsfotos. In Photoshop ist das nicht möglich.
Jetzt, wo du einen Überblick hast, was beide Programme können, ist es Zeit für die entscheidende Frage: Welches ist das Richtige für dich? Eigentlich bist du die Einzige bzw. der Einzige, der das wirklich entscheiden kann. Beide Programme sind eine gute Wahl – es kommt ganz darauf an, wofür du sie nutzen möchtest. Nachfolgend findest du einige mögliche Anforderungen und das passende Programm dazu.
Dann startest du am besten mit Lightroom. Da das Programm etwas weniger umfangreich ist, hast du eine klarere Übersicht, was der Bedienung zugutekommt. Lightroom hat auch eine flachere Lernkurve, du meisterst es schneller.
Möchtest du keine ausgefallenen Tricks, sondern einfach deine Fotos durch Belichtungs- und Kontrastanpassung verbessern, ist Lightroom perfekt. Genau dafür wurde das Programm entwickelt, du wirst nicht von unnötigen Funktionen abgelenkt. Das kommt deinem Workflow zugute. Auch nützlich für Profis!
Dann wähle Lightroom. Photoshop hat keine eigene Bibliothek. Wie besprochen, bietet Lightroom ein Archiv mit all deinen Fotos und Bearbeitungen. Diese sortierst du auch nach Schlagwörtern, EXIF- oder GPS-Infos. Sehr praktisch, wenn du alles an einem Ort möchtest.
Machst du Modefotografie und möchtest Models ein paar Kilo leichter oder glattere Haut geben, wähle Photoshop. Die Klon- und Retusche-Optionen sind viel umfangreicher als in Lightroom. Möchtest du auch Objekte vom Hintergrund trennen, wie bei Produktfotografie, brauchst du Photoshop.
Möchtest du mehr als nur Fotos nachbearbeiten, wie Poster oder Collagen erstellen, ist Photoshop die richtige Wahl. Grafikdesign ist mit Lightroom nicht möglich.
Natürlich! Auch wenn es Überschneidungen gibt, ergänzen sich Photoshop und Lightroom sehr gut. Du passt z. B. Belichtung und Farben in Lightroom an und machst komplizierte Retusche in Photoshop. Mit beiden Programmen überträgst du dein Foto im Nu von einem zum anderen und arbeitest weiter.